ich will mich nur mal kurz melden. Habe die letzten Tage bzw. Wochen unglaublich viel Computer gespielt. Soziales Leben war stark eingeschränkt, und auch für diesen Blog hatte ich wenig Kopf.
Werner ist wieder bei uns, das Amazonasschlangengift hat in Kombination mit dem Testbild Wunder gewirkt. Er ist jetzt nur noch 300° heiß, wir machen ihm kalte Umschläge. Appetit ist gut, wir grillen ihm sein Essen auf seinem Rückenpanzer.
es sind ja nun ein paar Tage, seit ich das letzte Mal hier zugange war. Endlich finde ich die Kraft, zu berichten, was sich Schreckliches im Hause Rumpel begab. Noch immer kämpfe ich mit den Tränen.
Dabei gewöhnte er sich gerade an seine neue Umgebung … vor allem dank seines neuen Klos, das ich ihm im Schweiße meines Angesichts gebaut hatte. Er wurde sogar richtig zutraulich, naschte hin und wieder Leckereien aus Huldines oder meiner Hand.
Doch dann, es ist eine gute Woche her, ging es ihm plötzlich sehr sehr schlecht. Es war von einem Augenblick auf den nächsten. Werner bekam ein ganz schlimmes Fieber. Das Thermometer, das wir ihm in den Popo steckten, explodierte doch glatt.
Wir riefen sofort einen Krankenwagen. Huldine weinte, Radulf machte kalte Umschläge. Die Sanitäter hetzten die Treppen hoch und wollten erst fälschlicherweise Radulf versorgen, dessen eines Auge voller Thermometerstücke und Quecksilber war. Radulf brüllte sie an: “Nein, nicht ich, da, der Werner!”
Hektik. Durcheinander. Geplärre. Infusionen. Kompressen. Blinkende Lichter an medizinischen Apparaten.
Dann nahmen sie ihn mit. Er liegt jetzt auf der Intensivstation. Radulf und Huldine sind untröstlich. Wir dürfen ihn nicht besuchen. Niemand darf ihn besuchen. Er hat 800° Fieber. Angeblich haben Tests ergeben, dass das Fieber von den Drüsen ausgeht, die für die Farbwechsel zuständig sind.
Hier die letzten Sekunden vor seinem Anfall, wir haben sie zufällig mit der Kamera aufgenommen. Glücklich und gesund sitzt er auf seiner Stange und sieht mit uns fern …
2. Ebenfalls und nochmals Tausend Dank an Burn und Lazerte für ihre wertvollen Tipps bezüglich artgerechter Haltung unseres Prachtexemplars. Jeder braucht etwas Intimsphäre, auch ein Wunder der Natur! Kein Wunder, dass unser Wunder ob des Mangels derselben leicht mürrisch wurde und sich versteckte.
Doch Radulf wäre nicht Radulf, hätte er nicht sofort reagiert. Ratzfatz zum Baumarkt und schnell was gebastelt.
Et voila! Rundum glücklich und zufrieden – und vor allem wieder deutlich sichtbar in seiner ganzen Majestät und Glorie sitzt er auf seiner neuen Toilette, der Werner.
Unser Chamäleon Werner ist verschwunden. Er ist einfach weg. Dabei haben wir überall gesucht.
Auf unserer Spüle.
Auf dem Boden.
Und in unserem Kaninchenklo.
Aber er ist nirgendwo. Dabei hatte er sich doch gerade eingewöhnt. Vielleicht hat er die Ananas doch nicht vertragen, die ihm der Pedde gegeben hat?
Wir halten euch natürlich auf dem Laufenden. So ein Chamäleon kann doch nicht einfach so verschwinden. Gibt es doch gar nicht. Wir müssen einfach noch gründlicher suchen!
Die Huldine und der Radulf sind seit heute stolze Besitzer eines weiteren Haustiers. Radulf ist ganz besonders stolz, hat er es doch selbst gefangen. Und dabei ist das Vieh ein Meister der Tarnung, eine Koryphäe der Täuschung, eine Kapazität der Camouflage.
Die wacheren Geister unter euch haben es natürlich längst erraten: Ja, es handelt sich um ein Chamäleon.
Radulf kam erst vor einer halben Stunde aus dem undurchdringlichen Regenwald des Amazonas zurück. Noch bevor er einen Stärkungstrunk – den er sich nach den Strapazen der Reise wahrlich verdient hatte – zu sich nahm, säuberte er höchstpersönlich den neuen Mitbewohner von dem Schottenkaromusterlack, mit dem er das Tier besprüht hatte.
Nur durch diese kleine Finesse konnte er das Biest schließlich nach Stunden des Heranpirschens sichtbar machen, wo es doch dauernd seine Farbe ändert. Den Lack hat er übrigens selber entwickelt. Es gibt sogar schon Anfragen von Exil-Schotten, die auch in der Karo-Diaspora nicht auf ihre Traditionen verzichten wollen, sich aber den Import von echtem Schottenzeugs nicht leisten wollen. Die sind doch alle so geizig.
Aber zurück zum Thema. Chamäleon. Bei uns in der Bude, man stelle sich das mal vor. Wir sind ganz aus dem Häuschen und haben auch schon einige Fotos gemacht. Bitteschön:
Auf dem Sofa.
Vor unserer Fotowand. Falls ihr nicht wisst, wo ihr suchen sollt: Es sitzt auf der Stange.
Und vor unserem Kühlschrank. Raffiniertes Tierchen, man sieht es kaum. Ein Meisterwerk der Evolution, muss man echt mal anerkennen.