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Kapitel 2: Thor kriegt einen Anruf

Sonntag, 08. Februar 2009

Hier gehts zu Kapitel 1.

Thor, Gott des Donners und Bezwinger der Riesen, saß gerade vor seinem Rechner und schlug sich gemeinsam mit Ares mit einer Horde Nagas herum, als seine Türglocke erklang. Er drückte hektisch ein paar mal die Maustasten, hämmerte mit seinen Wurstfingern auf der Tastatur herum und erschlug noch zwei Gegner, bevor er aufstand und den Summer betätigte.
Es dauerte eine Weile, bis er das nötige Geld aus seinen Hosentaschen herausfischte, und noch etwas länger, bis Thor, der nicht der Allerhellste war, es abgezählt hatte, doch als der Pizzabote schließlich die sieben Stockwerke mittels des alten, langsamen Aufzugs bewältigt hatte, konnte Thor ihm missmutig das Geld geben, ihm die Pizza aus den Händen reißen und diese durch das Durcheinander seiner Ein-Zimmer-Wohnung zurück an den Rechner balancieren. Er riss mit der Linken den Karton auf, nahm ein Stück heraus und stopfte es sich in den Mund, während er mit der Rechten schon wieder Maustasten klickte.
Aber in der Zeit, die er für das Entgegennehmen der Pizza benötigt hatte, war Thors Lebensbalken bedenklich geschrumpft, und so geschah es, dass Thor, Gott des Donners und Bezwinger der Riesen, starb. Natürlich nicht wirklich, und eigentlich auch nicht Thor, sondern Thor2.
Unter diesem, zweifelsfrei nicht besonders originellem Pseudonym trat Thor im bekannten und beliebten Online-Rollenspiel World of Warcraft auf.
Irgendein Idiot hatte sich auf sämtlichen Servern den Namen Thor gesichert, und so kam es, dass er diese dämliche Zahl 2 an seinen Namen hängen musste, während Ares, dieser arrogante Wichtigtuer, unter seinem echten Namen kämpfen konnte. Immer wieder schaute der wahre Thor nach, ob der falsche Thor gerade online war, und wenn dies der Fall war, pflegte der echte Thor den unechten mit orthographisch fragwürdigen Beleidigungen, Drohungen und Schmähungen zu traktieren.
Jedenfalls grunzte Thor, als Thor2 starb, biss ein großes Stück von seiner Pizza ab und trank einen Schluck lauwarme, abgestandene Cola aus der Flasche, die neben der Tastatur stand.
Dieser verfluchte Ares! Schon wieder kassierte er alle Erfahrungspunkte und die ganze Beute.
Mit einem Mausklick ließ er seine Figur, einen mit einem gewaltigen Hammer bewaffneten Krieger, von den Toten auferstehen und machte sich auf den Weg vom Friedhof zurück zum Schlachtfeld.
Am nächsten Morgen weckte das Telefon einen schnarchenden Donnergott. Fluchend stand dieser auf, stolperte über den Beistelltisch, nahm den Beistelltisch mit einer muskelbepackten Hand hoch, warf den Beistelltisch gegen die Wand, ging weiter zum schrillenden Telefon und nahm ab.
“Ja?”
Eine weibliche, überhebliche Stimme: “Guten Morgen, mein Name ist Diesterweg, von der Agentur für Arbeit Würzburg. Spreche ich mit Thor Hammer?”
Scheisse. Diese nervige Tussi schon wieder. Er warf einen Blick auf die Uhr. Es war kurz nach 11.00. Konnte die ihn nicht einfach in Ruhe lassen?
“Ja, das bin ich. Sie kennen doch meine Stimme. Außerdem hab ich die Unterlagen vorgestern zur Post gebracht, Sie müssten jetzt endlich alles haben, was sie brauchen.”, murrte Thor. “Darum geht es nicht. Sie hatten vor einer halben Stunde einen Termin. Mit mir, in meinem Büro. Ich hatte ihnen die Einladung zu diesem Termin vor drei Wochen zukommen lassen. Sie sind nicht zu dem Termin erschienen Haben Sie dafür eine Erklärung?”
Thor überlegte fieberhaft. Das mit Thor und dem Nachdenken ist so eine Sache, und so verwundert es nicht, dass dabei auch nicht wirklich etwas herauskam.
“Ich habe verschlafen.”, grunzte er nach einer Weile.
“Nun,” sagte Frau Diesterweg, “das genügt nicht wirklich als Entschuldigung. Vor allem, weil es nicht das erste Mal ist, dass Sie Termine nicht einhalten. Ich muss ihnen leider mitteilen, dass sämtliche Leistungen, die Sie von der Agentur für Arbeit beziehen, bis auf weiteres eingestellt werden. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Auf Wiederhören.” Sie legte auf.
Abgesehen davon, dass sich Thor in den alten Zeiten nie und nimmer mit Tussis von der Agentur für Arbeit hätte herumschlagen müssen, hätte Thor in den alten Zeiten nun geflucht und zornentbrannt gebrüllt, sich seinen Hammer gegriffen, wäre in seinen von zwei Ziegenböcken gezogenen Himmelswagen gestiegen und Blitze schleudernd und donnergrollend zur Agentur für Arbeit gefahren. Dort hätte er auf dem Weg zu Frau Diesterwegs Büro drei bis vier Blutbäder veranstaltet und Sachschaden in mindestens fünfstelliger Höhe angerichtet, dann Frau Diesterwegs Büro in Schutt und Asche gelegt und anschließend Frau Diesterweg mit einem gezielten Hammerschlag ins Gesicht hinweggemetzelt.
Aber die alten Zeiten waren schon lange vorbei, und Thor, Gott des Donners und Bezwinger der Riesen, war nur noch ein Schatten seiner selbst und hochgradig abgestumpft durch seine Spielsucht. Außerdem war er mehrfach wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraft, und Odin hatte ihm verboten, gegen seine Bewährungsauflagen zu verstoßen. Und mit Odin wollte sich Thor lieber nicht anlegen.
Also schnaubte und fluchte er, randalierte ein wenig in seiner Ein-Zimmer-Wohnung, warf einen Stuhl gegen die Wand und zerdepperte Geschirr, grunzte und stampfte ab und an mit Fuß auf. Aber nur einige Minuten, und eigentlich nur, um in Form zu bleiben.
Dann setzte er sich an den Rechner und startete World of Warcraft.

Zweifacher Weltrekord!

Donnerstag, 05. Februar 2009

Grüßgott.

Viele treue Leser haben sich vielleicht gefragt, warum ich nun schon so lange (3 Tage!) keinen Beitrag mehr verfasst habe. Nun, es verhält sich folgendermaßen:

Die Huldine war eifersüchtig auf mich. Weil ich 37 mal im Guinness-Buch der Rekorde stehe (natürlich inkongnito) und sie kein einziges mal. Also haben wir gemeinsam überlegt und beschlossen, den Kilimandscharo zu bezwingen. Dann würde Huldine nämlich den Rekord für die Erstbesteigung mit gebrochenem Schlüsselbein erringen.

Wir übten also erstmal zwei Tage lang, denn ohne die richtige Vorbereitung sollte man so eine Sache nicht in Angriff nehmen. Vorvorgestern stiegen wir ein paar mal die Treppen hoch und runter (wir wohnen im 3. Stock), und vorgestern erkletterten wir dann dreimal freihändig die Eiger Nordwand.

Außerdem ernährten wir uns sehr gesund und schränkten das Rauchen und den Alkohol ein wenig ein.

Gestern war dann der große Tag. Wir flogen ab Frankfurt und kamen mittags am Kilimandscharo an. Um Geist und Seele zu entspannen, nahmen wir noch an einer Safari teil.

Aber dann rief der Berg. Wir hatten Steigeisen dabei und Seile, Bergschuhe und Schutzhelme, Sauerstoffgeräte und, als wichtigste Utensilien, einige Pausenbrote und eine 5-Liter-Flasche Champagner. Der Aufstieg verlangte uns alles ab. Wir schwitzten und keuchten, die Luft wurde immer dünner, der Berg steiler (wir hatten uns für die schwierige Route entschieden). Unsere Beine erlahmten, unsere Hände zitterten. Unsere Kräfte schwanden. Die Pausenbrote waren alle.

Doch da! Der Gipfel. Nur noch wenige Meter. Dort stand auch schon das Empfangskomitee, bestehend aus Reinhold Messner und einem Beauftragten des Guinness-Buchs der Rekorde. Wir gaben nochmal alles und erreichten um 16.43 den Gipfel. Vor lauter Erschöpfung  stürzten wir sofort den Champagner hinunter.

Dann gab es eine kleine Zeremonie. Reinhold hielt eine ergreifende Rede und der Guinness-Beauftragte überreichte der Huldine den goldenen Rekordkranz in Blau.

Für die Erstbesteigung des Kilimandscharo mit gebrochenem Schlüsselbein.

Zu unserer großen Freude hatten wir gleich noch einen Rekord gebrochen:

Die Besteigung des Kilimandscharo mit den unangebrachtesten Sauerstoffgeräten.


0205-kilimandscharo

Ja, so war das. Das Kreuz auf dem Foto ist übrigens mitnichten mein Kommunionskreuz, sondern das Gipfelkreuz.

Und wer mir die Geschichte nicht glaubt, ist selber schuld. Denkt mal drüber nach.

Die Geschichte vom Obba

Dienstag, 13. Januar 2009

Heute möchte ich meiner geneigten Leserschaft den Obba vorstellen.

Mein Kommunionskreuz auf dem Bild ist absolut notwendig, um die finstere Aura des Obbas zu bändigen.


01-13-obba

Der Obba ist nämlich ein Schamanenstab aus Borneo. Vor etwa 16 Jahren, als der Radulf am Ende einer längeren Seereise an einem einsamen Strand strandete, wurde der Radulf von einem Stamm wilder Kannibalen gefangen genommen.

Die Kannibalen waren ganz außer sich vor Freude und tanzten Boogie-Woogie um ihr Zeremonienfeuer. Sie tanzten acht Stunden am Stück, weil das alte Grammofon, das sie (zusammen mit einer Boogie-Woogie-Schallplatte) von ihrem letzten Opfer erbeutet hatten, mit der Hand bedient werden musste und sie die richtige Geschwindigkeit noch nicht rausgefunden hatten. Sie tanzten also etwa mit zwölf Prozent der üblichen Boogie-Woogie-Geschwindigkeit.

Sah echt merkwürdig aus. Jedenfalls waren sie am Ende des achtstündigen Tanzes alle völlig erschöpft und schliefen ein.

Nur der Schamane, ein kleiner Mann mit stechendem Blick und spitzgefeilten Zähnen, der einen großen Stab in der Hand hielt, blieb wach. Er hatte nicht getanzt, das wäre unter seiner Würde gewesen. So ging er also in seine Hütte und holte ein Brecheisen und einen Löffel. Die Kannibalen von Borneo essen nämlich zuerst das Gehirn. Mit einem Brecheisen öffnen sie den Schädel des Opfers und löffeln dann das Gehirn raus. Erst danach wird das Essen gekocht. Dazu nehmen sie dann schon Messer und Gabel, sie sind also nicht gänzlich unzivilisiert.

Doch zurück zur Geschichte: Radulf, gefesselt. Der Schamane, mit seinem Besteck bewaffnet und hungrig. Habe ich schon seinen stechenden Blick erwähnt? Und die spitzgefeilten Zähne?

Und das Entsetzliche geschieht. Der Schamane bricht Radulfs Schädel auf! Doch was ein Glück! Denn durch einen unglaublichen Zufall fällt dem Radulf ein scharfkantiger Splitter seines Schädels in die hinter seinem Rücken gefesselten Hände. Radulf fängt also wie irre an den Fesseln zu sägen und zu schaben an. Und wieder hat Radulf Glück. Denn nach einem ersten Löffel stutzt der Schamane. Er geht nochmal in seine Hütte. Radulf sägt, schabt, zerrt an den Fesseln. Der Schamane kommt zurück, mit Salz- und Pfefferstreuer sowie etwas Majoran.

Radulf schwitzt nun, er keucht, seine Hände zittern. Der Schamane streut etwas Salz auf Radulfs Gehirn. Radulf stöhnt vor Schmerz. Der Schamane gibt eine Prise Pfeffer hinzu. Und da passiert es. Radulf schreit vor Schmerz, bäumt sich auf, und die angesägten Fesseln reißen endgültig. Der Radulf tobt und packt den Stab des Menschenfressers, den dieser beim Essen beiseitegelegt hatte. Er haut seinem Peiniger das Ding auf den Ölles, dass es kracht. Der Schamane bricht zusammen!

Dann sammelte Radulf rasch seine Schädelsplitter wieder auf und rannte, wie er noch nie zuvor gerannt war. Er lief direkt zum nächsten Flughafen und nahm gleich die erstbeste Maschine nach Frankfurt.

Dort ließ er erstmal seinen Schädel wieder flicken. Auf die Narkose verzichtete er, auf das bisschen Qual kam es dann auch nicht mehr an. Die Operation glückte, es gab nicht mal eine Narbe.

Ja, so war das. Und wenn ihr mir die Geschichte nicht glaubt, dann schaut euch nochmal das Bild an. Der Stab gehört jetzt mir, und das ist der Beweis. Denkt mal drüber nach!