Wir kommen nun zum dritten Teil meiner seit einigen Tagen den Feuilleton beherrschenden Rubrik “Bücher, die Gottseidank nie geschrieben wurden“.
Radulf widmet sich heute dem Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe und seinem gottlob niemals geschriebenen Frühwerk “Iphigenie auf Speed”.
Die Entstehungszeit liegt nicht in der Sturm-und-Drang-Phase Goethes. Angewidert von den strengen gesellschaftlichen Normen und Wertevorstellungen verfiel er für einige Jahre erst in eine rebellische Trotzhaltung und dann dem Drogenkonsum.
Diesen verarbeitete er nicht – nach einer längeren Entziehungsreise durch Italien wieder befreit von seinen Süchten – in dem für die damalige Zeit revolutionären und haarsträubenden Drama “Iphigenie auf Speed”.
Wobei Radulf hinzufügen muss, dass es auch heute noch haarsträubend ist.
Die Handlung
Die Insel Tauris in der griechischen Ägäis, irgendwann in der Antike.
Die drogensüchtige Iphigenie wird von ihrem Dealer, dem sie die gigantische Summe von 12.000 Drachmen schuldet, auf dem kleinen Eiland festgehalten. Dort muss sie seine verschmuddelten Tuniken waschen und bügeln, Stoff an Touristen verticken und für ihn kochen – meist den Poseidonteller mit extra Knoblauchkartoffeln oder die Olympos-Platte für zwei Personen.
Ihr Bruder Orest hat im Kokainrausch den Rest dieser außergewöhnlichen Familie mit einer dorischen Säule erschlagen, nach einer Entgiftung auf Korfu ist er aber wieder bei Sinnen und will Iphigenie aus ihrer misslichen Situation befreien und sie ebenfalls in eine Entzugsklinik bringen.
Der Dealer ist damit nun gar nicht einverstanden und verlangt von Iphigenie, den Bruder wieder anzufixen, damit auch dieser ihm und seinen Lieferungen verfällt und fortan zu Willen sei.
Doch Iphigenie durchlebt nach einem üblen Trip eine Katharsis, sagt sich von den Drogen los, hält dem Dealer eine mächtige Standpauke und kann mit ihrem Bruder Tauris verlassen.
Radulfs Rezension
Ein grauenhaftes Buch.
Sprachlich nämlich sinkt der sonst so wortgewaltige Goethe auf das erbarmungswürdige Niveau der Hauptfiguren.
Ey, Alter, ich fänd´s wunderbar,
machtest du ne Spritze klar.
(Vers 32)
Oh Mann, fick dich ins Knie,
zum Entzug, da geh ich nie!
(Vers 47)Reich mir den Ouzo auf die Schnelle,
sonst setzt es eine Riesenschelle!
(Ver 59)
Ein kleines Aufblitzen des Goethe´schen Genies findet sich lediglich in Vers 11.
Zum Vergleich zunächst der Vers aus dem dann tatsächlich geschriebenen Alternativdrama “Iphigenie auf Tauris”.
Und an dem Ufer steh ich lange Tage,
das Land der Griechen mit der Seele suchend …
Und hier die Passage aus “Iphigenie auf Speed”, vom Versmaß her sehr wohl der Goethe´schen Dichktkunst angemessen, aber an sprachlich-ästhetischer Banalität kaum mehr zu überbieten, was wohl der Handlung geschuldet ist.
Und auf dem Sofa lieg ich lange Tage,
eine freie Vene mit der Nadel suchend …
Ich denke, diese Beispiele genügen, mehr möchte Radulf seinen Lesern nicht zumuten.
Ein weiterer Kritikpunkt ist natürlich die Kürze des Buchs. Die Handlung rast förmlich dahin, der Titel scheint Goethe zu irrwitziger, gedankenloser Eile angetrieben zu haben. Ganze 14 Seiten umfasst das Werk.
Wobei – wenn Radulf es sich recht überlegt, dann ist er eigentlich ganz froh drum.
Und gibt hiermit lautstark seine Meinung über “Iphigenie auf Speed” kund:
Gottseidank wurde es nie geschrieben!
Euer ergebener
Radulf Rumpel-Ranicki
Und auf dem Sofa lieg ich lange Tage,
eine freie Vene mit der Nadel suchend …
ALDA! *kringel-kugel-lach*
Wieder und wieder GROSS! Weiter machen!
Weiter, schneller, mehr – aber zack zack!!