Verehrte Leserschaft!
Radulf stellt heute den ersten Beitrag seiner neuen, von vielen seiner Leser nicht lange und sehnsüchtig erwarteten Reihe “Bücher, die gottseidank nie geschrieben wurden” vor.
Ich beginne mit Herrmann Hesses gottseidank nie geschriebenem Werk “Der Steppdeckenwolf”, das kurz nach seinem 1927 erschienenen Hauptwerk “Der Steppenwolf” nicht erschienen ist. Auch Wiederauflagen fanden nicht statt. Man möchte beinahe erleichtert aufseufzen und sagen: Gottseidank.
Die Handlung:
Heinrich Heller häkelt eine Steppdecke für seine schwer an Rheuma erkrankte Tante mütterlicherseits.
Radulfs Rezension:
Ein unsagbar langatmiges Buch. Eine äußere Handlung findet fast nicht statt. Lediglich hin und wieder kommt etwas Spannung auf, wenn der Protagonist eine Masche fallen lässt.
Das bringt den Erzählfluss aber nicht derart in Schwung, um die knapp 550 Seiten des Buchs zu rechtfertigen. Zwar wird das Häkeln an sich und insbesondere das Wiederaufnehmen der fallengelassenen Maschen von Hesse sprachlich meisterhaft und handwerklich virtuos wiedergegeben, doch mir war das Ganze doch etwas zu dürftig.
Ansonsten beschränkt sich das Buch auf qualvoll lange innere Monologe Hellers. So erstellt er auf den Seiten 82-126 eine Einkaufsliste für den Geburtstag seiner geliebten Tante, wobei er bis ins letzte Detail darauf eingeht, was sie brauchen könnte, was sie wahrscheinlich schon hat, bis zu welchem Preis er bereit wäre, bestimmte Dinge zu erwerben usw.
Wie Radulf schon erwähnte, dieses Buch ist furchtbar langatmig.
Gottseidank wurde es nie geschrieben.
In geduldiger Erwartung Eurer Meinung zu diesem Buch verbleibe ich Euer ergebener
Radulf Reich-Ranicki
Groß!
Danke!
Und nächste Woche: Das Glasperlenfußballspiel.
Das kenne ich noch nicht. Wann ist es denn erschienen?
…wie? das kennst du nicht? Hab ich schon zur Kommunion bekommen. Hab mich tierisch gefreut damals, von Onkel Egbert. Das werde ich ihm nie vergessen, war echt dufte damals von ihm…
so, werde mich wohl auch mal wieder mit nem guten Buch unter die Bettdecke verkriechen. hier draußen ist´s mir echt zu heiß.
Wiedersehen..
Alter Holländer, der ahnungslose Radulf nun wieder! Aber wenigstens den van Blechbommel kennt er!
Radulf liest da leichte Vorwürfe aus den Zeilen Herrn Brandredes und Herrn Statlers heraus. Radulf möchte aufs äußerste entrüstet darauf hinweisen, dass selbst ein ausgewiesener Fachmann auf diesem Gebiet, wie es Radulf einer ist, nicht alle jemals nicht geschriebenen Bücher kennen kann.
[...] Radulf uns an seiner Meinung über “Der Blechbommel” von Günter Grass und “Der Steppdeckenwolf” von Herrmann Hesse teilhaben. Vorsicht, nicht in der Öffentlichkeit lesen, ihr könntet [...]