Spieletipp: World of Warcraft – Das Brettspiel

Schon seit langer Zeit tobt der Kampf zwischen den Fraktionen. Allianz und Horde ringen um die Herrschaft über Azeroth. Auf der einen Seite stehen mutige Menschen, grimmige Zwerge und edelmütige Nachtelfen. Auf der anderen streiten die blutrünstigen Orks, die listigen Trolle und die grausigen Untoten.

Doch nur die wackersten Helden der Fraktionen sind dazu ausersehen, ihrer Fraktion den Sieg zu bringen.

Ruhmesdurstig ziehen sie aus in die Wildnis, um dringende Missionen zu erfüllen, gegen zahllose Ungeheuer zu kämpfen und ihnen ihre Schätze zu entreißen.

Selbst die Auserwählten müssen jedoch auf der Hut sein und bedacht vorgehen. Neue Kräfte gilt es zu erlangen, mächtige Artefakte zu erringen und todbringende Zaubersprüche zu erlernen, bevor sie hoffen dürfen, am Ende gegen ihre Feinde zu bestehen.

Autoren: Christian T. Petersen

Verlag: Fantasy Flight Games, deutsche Fassung: Heidelberger Spieleverlag

Erscheinungsjahr: 2006

Spieleranzahl: 2-6

Dauer: bis jetzt immer ziemlich genau 6 Stunden

Schwierigkeit Regeln: sehr schwierig

Glück: braucht man schon

Spielkunstfaktor: hoch

Spannung: kann mich nicht beklagen

Interaktion: zwei Teams gegeneinander – gibt viel Gesprächsstoff

Ausstattung: Kunststoff und dicke Pappe, hier gibt’s Abzüge

Schlägerei: Sinn des Spiels

Anmerkung

Das Spiel basiert natürlich auf dem extrem erfolgreichen Online-Spiel World of Warcraft. Ich habe die Computerversion noch nie gespielt, habe mir aber von einem Freund sagen lassen, dass man sehr viele Deja-vus erlebt, wenn man die Brettversion spielt.

Wie man den Sieg erlangt

Das World of Warcraft Brettspiel wird mit zwei Teams gespielt. Die Helden der Allianz, vornehmlich Menschen, Zwerge und Elfen, treten gegen die Recken der Horde an, die hauptsächlich von den Orks, den Trollen und den Untoten gestellt werden.

Je nach Spielerzahl besteht ein Team aus zwei bis drei Helden, bei ungeraden Spielerzahlen muss bzw. darf ein Spieler zwei Helden spielen oder man teilt sich die Kontrolle über eine Figur.

Es gibt zwei Möglichkeiten, zu gewinnen. Die eine ist, den Overlord zu besiegen. Das ist ein besonders mächtiger Gegner, den zu bekämpfen erst gegen Ende der Spielzeit überhaupt in Frage kommt, wenn die Helden reich an Erfahrung und magischen Artefakten sind.

Falls das keine Fraktion innerhalb von fünfzehn Runden schafft, treten die Helden der beiden Seiten in einer letzten Schlacht gegeneinander an, um den Sieger des Spiels zu ermitteln.

Die Heldencharts

Eine wichtige Rolle bei World of Warcraft spielen die Heldencharts. Das sind große Papptafeln mit einigen vorgedruckten Attributen und viel Platz für die Spielkarten, mit denen Zaubersprüche, Fertigkeiten, Talente und Gegenstände dargestellt werden.

Hier werden unter anderem auch die Lebens- und Energiepunkte der Helden mitgezählt. Sinken die Lebenspunkte auf Null, stirbt der Held. Das ist nicht so tragisch, man wird einfach wiederbelebt. Allerdings verliert man wichtige Zeit, es sollte also nicht zur Gewohnheit werden.

Energie brauchen die Helden zum Wirken von Zaubersprüchen und mancher Fertigkeiten.

Jeder Held hat einzigartige Stärken und Schwächen. Es gibt insgesamt zehn verschiedene Heldenklassen, die jeweils über ein eigenes Kartenset mit Zaubern, Fähigkeiten und Talenten verfügen. Acht davon gibt es sogar in zwei Ausführungen, je eine für die Allianz und für die Horde. Das bedeutet: Man hat die Wahl zwischen insgesamt achtzehn verschiedenen Charakteren!

Der Spielablauf

Abwechselnd spielen die Helden der Horde und die der Allianz ihre Runden durch. Sobald eine Fraktion an der Reihe ist, können die Spieler völlig frei bestimmen, in welcher Reihenfolge sie ihre Züge machen. Diese Freiheit ist häufig sehr hilfreich, denn so ist ein abgestimmtes Spiel eines Teams erst richtig möglich.

Jeder Held darf pro Runde zwei Aktionen durchführen. Als Aktionen zählen das Trainieren neuer Fähigkeiten, das Reisen, das Ausruhen (Wiedergewinnung verlorener Lebens- und Energiepunkte), der Aufenthalt in einer Stadt (Besuch beim Händler, Training und ein bisschen Ausruhen auf einen Streich, sehr nützlich) und das Anzetteln eines Kampfes gegen neutrale Kreaturen oder Helden der anderen Fraktion.

Kreaturen kommen durch die Questkarten ins Spiel. Es gibt dreizehn verschiedene Kreaturentypen (Murlocs, Ghule, Drachen, Oger etc.) mit ganz unterschiedlichen Kampfwerten, die einzeln oder in Gruppen auftauchen können.

Und alle können entweder als Questkreaturen oder als unabhängige Kreaturen in Erscheinung treten.

Unabhängige Kreaturen stehen einfach nur lästig im Weg herum und blockieren die Helden, bis diese sie mit Waffen- und Zaubergewalt wieder aus dem Spiel prügeln.

Besiegen die Helden jedoch Questkreaturen und erfüllen damit die Queste, gibt es die auf der Questkarte angegebene Belohung: Gold, Gegenstände und – wichtig – Erfahrungspunkte.

Haben dabei zwei oder gar drei Helden zusammen gearbeitet, müssen sie auch die Belohnung miteinander teilen. Das bedeutet natürlich auch weniger Erfahrung.

Hat ein Held genügend Erfahrung gesammelt, steigt er eine Stufe auf. Alle beginnen auf Stufe 1, die höchste erreichbare Stufe beträgt 5.

Eine höhere Stufe bringt nicht nur zusätzliche Lebens- und Energiepunkte. Man darf ab sofort auch Zaubersprüche und Fähigkeiten der neuen Stufe erlernen und einsetzen. Diese sind meist mächtiger als die niedrigerer Stufen.

Die Benutzung von Gegenständen hängt ebenfalls von der Stufe ab. Je höher die Stufe eines Helden, desto mächtigere Gegenstände kann er einsetzen.

Hinzu kommt pro Stufe auch ein neues Talent. Talente sind besonders starke Fertigkeiten, die entweder für sich stehen oder andere Kräfte teils beträchtlich verbessern.

Eine neue Stufe bedeutet im Normalfall viel Arbeit auf dem Heldenchart, die man aber in diesem Fall gerne auf sich nimmt.

Auf in den Kampf

Das Kampfsystem ist relativ kompliziert. Es gibt Nahkampf-, Fernkampf- und Blutschaden sowie einen Verteidigungswert. Für jeden Wert gibt es verschiedenfarbige Würfel. Damit man den Überblick behält, werden verschiedene Marker auf spezielle Felder am Rand des Spielbretts gelegt.

Bevor man würfelt, muss man erst einmal feststellen, mit wie vielen Würfeln man werfen darf. Das ist eine Wissenschaft für sich. Fast alle Gegenstände, Fertigkeiten, Zaubersprüche und Talente liefern dem Spieler unterschiedliche Würfel, Würfelwiederholungen und diverse Möglichkeiten, Schaden hin und her zu schieben, Würfel auf bestimmte Augenzahlen zu drehen, Würfel gegeneinander auszutauschen und weiß der Geier was noch alles.

Das ist zwar alles ziemlich durchdacht und macht auch in gewissem Sinne Spaß, zieht sich jedoch stellenweise sehr hin. Hier wäre meiner Ansicht nach weniger mehr gewesen.

Das Material

Hier bin ich zwiegespalten. Die Regeln sind zwar komplex, aber die Anleitung erklärt alles sehr gut.

Die Gestaltung der Karte ist nett anzusehen, allerdings sind die Regionen etwas zu klein. Vor allem weil die Kreaturen-Miniaturen (klingt lustig) im Verhältnis riesig sind. Zu den Kreaturen: Die Form ist annehmbar, aber die Farben! Lieblose, fast gruselige Farbgestaltung in Einheitsblau, -grün und -rot. Da hätte man wirklich mit etwas Mühe mehr draus machen können.

Und bei den Ereigniskarten vermisse ich Illustrationen, die bestehen nur aus Text.

Dafür sind die Karten mit den Fähigkeiten, Zaubern und Gegenständen sowie die Heldencharts äußerst ansprechend gestaltet. Auch die Kunststoffminiaturen, die die Helden repräsentieren, sind wirklich gelungen.

Ebenfalls ein Lob verdienen die unzähligen Pappmarker für Leben, Energie, Gold und vieles mehr. Sind Stabil und das Design geht völlig in Ordnung.

Das Wort zum Abschluss

World of Warcraft ist ganz sicher nichts für jedermann. Die Regeln allein sind schon sehr komplex, dazu kommen noch Hunderte von Karten, die gelesen, verstanden und richtig eingesetzt werden müssen.

Man verbringt viel Zeit damit, Marker und Karten zu legen, zu verschieben und zu zählen. Und all das über eine Dauer von sechs Stunden…es gibt bessere Wege, zu entspannen.

Wer all das auf sich nehmen will und kann, wird belohnt durch ein einzigartiges Spielerlebnis. Zum einen ist da das Spielen im Team, wenn mehr als zwei Spieler mitmachen.

Dann das stetige Verbessern und Aufrüsten des eigenen Helden, was einen Heidenspaß macht. Hier hat man auch wahnsinnig viele verschiedene Möglichkeiten, was auch bei häufigem Spielen für die nötige Abwechslung sorgt.

Viele spannende Kämpfe runden die Sache ab.

Und Fans des Computerspiels müssen mal ausnahmsweise nicht stundenlang alleine vorm Rechner sitzen, sondern können mal wieder einen schönen Abend mit Freunden erleben, ohne ganz auf World of Warcraft verzichten zu müssen.

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