Begib dich auf eine Zeitreise ins 14. Jahrhundert und schlüpfe in die Rolle des Anführers einer der großen See- und Handelsmächte dieser Epoche.
Venedig, Genua, Spanien und die Türken ringen um die Vorherrschaft über das Mittelmeer und um die einträchtigsten Handelsrouten. Baue eine Flotte von Galeeren und bemanne sie mit tüchtigen Seeleuten, erobere ferne Städte und handle mit Gewürzen aus Alexandria, Wein aus Kreta oder mit Stoffen aus Istanbul.
Und dann wird zur Attacke geblasen auf die Städte und Flotten deiner Mitspieler! Entere die Galeeren deiner Mitspieler und nimm deren Ladung in Besitz, hol dir ihre Häfen und bau dein Imperium aus. Denn am Ende kann leider nur einer gewinnen….
Autoren: Dominique Ehrhard, Duccio Vitale
Verlag: Eurogames Descartes Deutschland
Erscheinungsjahr: 1996
Spieleranzahl: 2-4
Dauer: 2 Stunden und mehr
Schwierigkeit Regeln: leicht
Glück: relativ wenig
Spielkunstfaktor: hoch
Spannung: meist bis zum Ende vorhanden
Interaktion: nur Diplomatie und Attacken
Ausstattung: Kunststoff, aber schön gemacht
Schlägerei: gibt’s zur Genüge
Ziel des Spiels und der Weg dahin:
Man beginnt das Spiel mit einer eigenen Hauptstadt, zwei Schiffen, zehn Seeleuten und einem relativ großzügig bemessenen Startkapital.
Eine Partie Serenissima dauert dann je nach Anzahl der Spieler acht, zehn oder zwölf Runden. Am Ende gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten, und Punkte gibt es hauptsächlich für den Besitz von Städten. Städte gibt es in drei Größen: klein (zwei Lagerplätze), mittel (vier Lagerplätze) und groß (sechs Lagerplätze). Große Städte gibt es nur vier Stück, und das sind die Hauptstädte der vier Großmächte Venedig, Genua, Spanien und Türkei.
Die kleinen und mittleren (anfangs neutralen) Städte nehmen die Spieler dann nach und nach in Besitz.
Nun bringen die Städte aber nur die volle Punktzahl, wenn ihre Lager voll sind, und das erreicht man durch fleißigen und klugen Handel.
Dabei muss man natürlich auch für den Schutz der eigenen Städte und Handelsschiffe sorgen und vielleicht auch für genügend militärische Schlagkraft, um anderen Spielern ihre Besitztümer zu entreißen.
Spielablauf:
Die Spieler sind nicht im Uhrzeigersinn mit ihren Zügen dran, sondern jeder Spieler kommt in jeder Runde an die Reihe. Die Reihenfolge wird durch das „Bieten“ ermittelt.
Zu Beginn jeder Runde setzt jeder Spieler verdeckt eine beliebige Menge von Dukaten. Alle Spieler offenbaren dann gleichzeitig ihre Einsätze und der Spieler, der am meisten geboten hat, darf wählen, ob er als erster, zweiter, dritter oder vierter seine Züge macht. Dann folgen die anderen Spieler je nach gesetzten Dukaten mit ihrer Entscheidung, welche Position sie in der Zugreihenfolge besetzen wollen. Meist versucht man, als letzter zu ziehen, denn dann kann man in Ruhe die Züge der Mitspieler beobachten und entsprechend reagieren.
Wichtig ist, dass jeder gebotene Dukaten verloren ist, egal wie knapp man unterlegen war. Beweist man beim Bieten Geschick, blufft man hier seine Gegner aus und gewinnt durch gute Einschätzung seiner Gegner wichtige Runden für sich, erhöht man seine Gewinnchancen wirklich beträchtlich.
In der derart festgelegten Reihenfolge finden dann die einzelnen Phasen der Runde statt, und zwar erst das Kaufen von Waren, der Bau neuer Galeeren und das Anheuern von Seeleuten (erst der Spieler auf Platz 1 der Reihenfolge, dann der Spieler auf Platz 2 usw.), dann die Bewegung (in gleicher Reihenfolge), dann der Angriff auf Schiffe oder Häfen und zum Abschluss der Verkauf von Waren (alles in gleicher Reihenfolge).
Krieg und Frieden
Es gilt während des Spiels, eine ausgewogene Mischung aus Handel und Ausbau der militärischen Schlagkraft zu bewahren. Durch den Handel mit Erz, Holz, Wein, Gewürzen und anderen Waren verdient man die Dukaten, mit denen man Schiffe baut und Seeleute anheuert. Und mit denen sichert man die eigenen Häfen und holt sich die neutralen und die der Mitspieler.
Nur durch das Entern der Galeeren anderer Spieler und den Verkauf der Beute kommt man im Normalfall nicht besonders weit.
Jede Galeere hat fünf Plätze frei, die man entweder mit Matrosen oder mit Handelswaren bestücken kann (Ein Matrose muss mindestens an Bord sein). Und pro Matrose kann man die Galeere dann ein Feld weit ziehen. Eine Galeere mit fünf Seeleuten kann in einem Zug fast von einem zum anderen Ende der Karte ziehen!
Also muss man sich entscheiden, ob man Handelsschiffe mit vielen Waren einsetzt, die bessere Geschäfte machen können, oder aber Schlachtgaleeren mit vielen Seeleuten, die schneller sind und besser angreifen bzw. verteidigen können.
Ausstattung
Noch ein paar Worte zur Ausstattung: Die Gestaltung des Spiels ist sehr schön, das Brett sieht klasse aus. Das restliche Material besteht aus Kunststoff, macht sich aber ebenfalls gut. Handelswaren werden durch kleine Päckchen in nachvollziehbaren Farben dargestellt.
Die Seeleute gibt es nur in einer Farbe, was aber kein Problem ist. Der Besitz über Städte und Galeeren wird über kleine Fähnchen geregelt, die man in Flaggenständer und vorne in die Galeeren stecken kann. Und Seeleute sind entweder auf einer Galeere oder bewachen einen Hafen, und die sind über die Flaggen eindeutig einem Spieler zuweisbar.
Hiermit kommen wir auch zu einem Kritikpunkt meinerseits: Serenissima stellt Grobmotoriker vor (allerdings lösbare) Probleme. Das Umstecken der Fähnchen gestaltet sich teilweise etwas pfriemelig, und auch die Seeleute und die Waren fallen ab und an mal aus den Schiffen, wenn man seine Züge durchführt.
Radulfs Fazit
Ein Schwachpunkt ist die Begrenzung auf maximal vier Spieler, fünf Leute hat man nämlich auch schnell beisammen. Sechs natürlich auch, aber irgendwo muss man halt die Grenze ziehen.
Und wie bei vielen Spielen gilt: Je mehr Mitspieler, desto besser, Serenissima macht also meiner Meinung nach zu viert am meisten Spaß, wobei man es auch getrost zu zweit oder zu dritt spielen kann.
Dafür sind die Regeln von Serenissima leicht zu erlernen, was das Spiel auch für Gelegenheitszocker interessant macht. Im Spiel jedoch entsteht durch die verschiedenen Möglichkeiten zum Handeln oder zur Attacke auf Mitspieler eine wahnsinnige Dynamik mit vielen Handlungsalternativen. Dadurch kommen auch Vielspieler voll auf ihre Kosten.
Ein Pluspunkt ist auch die geringe Bedeutung des Würfelglücks für den Ausgang der Schlachten und auch sonst, wobei Spannung dennoch durch das „Bieten“ zu Beginn jeder Runde aufkommt und natürlich durch die niemals vorhersehbaren Aktionen der lieben Mitspieler.
Und das „doppelte Spiel“ mit Handel einerseits und hinterhältigen Attacken und fieser Piraterie andererseits ist sehr schön gelöst und lässt ebenfalls keine Langeweile aufkommen.
Ein tolles Spiel.
Serenissima steht übrigens seit der Renaissance für die Stadt Venedig und bedeutet entweder „die Heiterste“ oder aber „die Allerdurchlauchtigste“, im Netz habe ich beide Übersetzungen gefunden.
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