Ein Wort zu meinen Spieletipps

Ich spiele seit ich denken kann. Erst mit Playmobil und Lego, später mit der Familie Spiel des Wissens und Risiko. Als es uncool wurde, mit der Familie zu spielen, ging die Geschichte mit den Rollenspielen los. Midgard, MERS, Das Schwarze Auge, Sturmbringer und wie sie alle heißen, als Spielleiter und als Spieler, einfach das komplette Programm. Und natürlich der Hexenmeister vom flammenden Berg und Heroquest, zumindest in der Anfangsphase.

Nebenher immer noch ein bisschen C64 und Amiga (für die jüngeren: das waren Computer).

Irgendwann, da war ich siebzehn oder achtzehn, kam die Magic-Phase. Mein lieber Scholli, diese Sammelkartenspiele gehen ganz schön ins Geld.

Inzwischen gab es PCs (die hiessen damals noch 4/86 und so) zu erschwinglichen Preisen für zuhause. Civilization, Warcraft II, Age of Empires, später Starcraft.

Auch eines der genialsten Brettspiele aller Zeiten legten sich damals Freunde zu: Die Siedler von Catan! Jede Woche drei bis vier Abende, stundenlang. Für Abwechslung sorgten der PC und viele andere Brettspiele, von denen ich Serenissima und natürlich auch Die Siedler inzwischen selbst in der Sammlung habe und nie wieder hergebe.

Tja, und dann trat im Jahre des Herrn 2000 die Huldine in mein Leben. Eine Milleniumshuldine, sozusagen. Erst zögerlich, dann immer begeisterter teilte sie meine Spieleversessenheit. Sogar LAN-Sessions macht die Gute inzwischen mit!

Inzwischen haben wir ein gutes Dutzend Brettspiele im Regal. Das mag nicht viel erscheinen. Nicht mitgezählt ist das weitere gute Dutzend, was wir im Wahn gekauft und dann aus den verschiedensten Gründen mit ordentlich Verlust wieder verscherbelt haben. Die Spiele, die noch im Haus sind, haben also alle ihre Feuerprobe bestanden, und manchmal stehen wir heulend und zähneknirschend vor der Sammlung und können uns nicht entscheiden, welches wir spielen wollen.

Und auf dem PC ist Warcraft III installiert, Anno 1701 (253 Stunden hab ich (bis jetzt) damit verbracht, das wird vom Spiel mitgezählt), und ein paar andere.

Welche Spiele ich mag

Ich habe mittlerweile schon einen gewissen Anspruch und bestimmte Vorstellungen. Da die Huldine ähnliche Ansprüche und Vorstellungen hat, kommen uns nur sorgfältig ausgewählte Spiele ins Haus.

Viele unserer Spiele haben mit Fantasy oder zumindest lang vergangenen Zeiten zu tun. Ritter, Drachen, Elfen und andere seltsame Wesen tummeln sich auf vielen der Schachteln in unserem Regal. Ab und zu blitzen aber auch Piraten, Baumeister oder Gladiatoren hervor.

Komplexe Regeln müssen nicht unbedingt sein, aber einfache Legespiele wie Alhambra oder Carcassonne sucht man bei uns vergebens. Von Spielen wie Monopoly, bei denen es sich nur ums Würfelglück dreht, geht für uns überhaupt kein Reiz aus.

Auch zum Kauf von Reise- und Routenspielen wie Thurn und Taxis oder Zug um Zug konnten wir uns bis jetzt nicht durchringen. Die mögen sehr gut gemacht sein, aber uns fehlt bei solchen Dingern der gewisse Kick.

Gewalt ist zwar im realen Leben etwas, worauf wir nur zu gern verzichten und was wir liebend gern völlig abschaffen würden. Aber im Spiel ist eine hinterhältige Attacke, ein brachialer Sturmangriff oder eine gepflegte Belagerung manchmal das Salz in der Suppe.

Man kann Bündnisse schmieden, Allianzen verabreden und Pakte schließen – und dann dem Partner völlig überraschend in den Rücken fallen und sich den Sieg ergaunern.

Dem anderen einfach mal schön eins reinwürgen und danach trotzdem miteinander noch etwas trinken und über Gott und die Welt reden.

Dennoch spielen wir auch sehr gerne gewaltfreie Spiele, wenn sie etwas anderes zu bieten haben. Bei den Siedlern von Catan beispielsweise sorgt das Handeln mit den Mitspielern einfach für Stimmung, und Die Säulen der Erde ist ein wunderschönes Spiel mit einer genial umgesetzten Spielidee.

Es kommt also immer auf viele Details an, ob wir uns ein Spiel zulegen (und dann auch mögen) oder nicht.

Aber grundsätzlich kann ich mal vorsichtig sagen, welche Spiele wir gerne spielen und damit auch, um welche es hier geht: Es sind Spiele mit….

- vielen schönen Spielsteinen und Spielkarten

- einer großen und gut gestalteten Landkarte

- vielen Möglichkeiten zum Taktieren und strategischem Denken

- einem für uns interessanten Thema (oft Fantasyelemente oder vergangene Zeiten)

- der Möglichkeit für die Spieler, untereinander zu handeln, zu tauschen und damit zu interagieren

- der Möglichkeit für die Spieler, den anderen Mitspielern auf die Mütze zu hauen

- der Möglichkeit, aus ein wenig Startkapital mit gewieftem Spiel etwas Größeres aufzubauen

Zum Schluss noch ein paar allgemeine Worte zu meinen Besprechungen.

Ich könnte zu jedem Spiel, das ich hier bespreche, noch viel mehr schreiben, als ich es dann wirklich getan habe.

Aber irgendwann muss man die letzte Taste drücken, sich zurücklehnen und laut vor sich hinmurmeln: „Es ist vollbracht.“ (anschließend zeigt man es im meinem Fall seiner Frau, einigen guten Freunden, holt Kritik und Lob ein, setzt sich wieder hin und überarbeitet das Ganze noch mal)

Deshalb möchte ich zu meinen Besprechungen noch ein paar allgemeine Worte loswerden.

Ich habe darauf verzichtet,  die Familien- und Jugendtauglichkeit der Spiele zu klären. Die Spiele, die ich hier besprochen habe, beinhalten fast alle mehr oder weniger Gewalt. Aber viele Kids schauen auch begeistert den Herrn der Ringe und Fluch der Karibik, es ist also alles relativ.

Eine Kategorie bei meinen Kurzinfos lautet Schlägerei. Damit will ich klarstellen, ob es im Spiel die Möglichkeit gibt, die Mitspieler wirklich mit Soldaten, Schiffen oder was auch immer anzugreifen.

Bei einigen Spielen gibt es zwar auch irgendwie Gewalt in Form von Gladiatorenkämpfen, Ritterduellen oder angreifenden Barbarenhorden, dies zählt aber nicht zur Schlägerei in meinem Sinne.

Mehr Mitspieler bedeutet nicht immer automatisch mehr Spaß. Oft leidet der Spielfluss unter einer großen Runde. Die Männer reden über den letzten Bundesligaspieltag, die Mädels über den neuen Klamottenladen in der Innenstadt. Das ist prinzipiell in Ordnung, aber das Spiel gerät ins Stocken, keiner weiß mehr, wer gerade am Zug ist usw. (hier greife ich persönlich übrigens gerne zu Rohrstock und Peitsche, um die Meute wieder zur Räson zu bringen)

Bei Spielen mit der bereits erwähnten Schlägerei sind drei Spieler manchmal eine etwas unglückliche Anzahl. Oft verbünden sich die zwei schwächeren Spieler gegen den Stärksten, was für diesen sehr unangenehm werden kann. Oder zwei Spieler kloppen sich und der dritte lacht sich ins Fäustchen und überrennt die geschwächten Streithähne.

Was verstehe ich unter Spannung? Viele Spiele sind gegen Ende nicht mehr wirklich spannend, weil z.B. ein Spieler schon fast uneinholbar führt. Aber es geht dann oft noch um den zweiten und dritten Platz. Und es muss ja nicht immer bis ganz zum Schluss spannend sein. Mir genügt es häufig, wenn zwischendurch ein Würfelwurf oder die nächste gezogene Karte über Sieg oder Niederlage entscheidet. Wenn es langweilig wird, empfehle ich die Kapitulation der sicheren Verlierer und eine sofortige Revanche.

Die Schwierigkeit der Regeln ist eine sehr subjektiv empfundene Sache. Mensch-ärgere-dich-nicht beispielsweise hat keine Regeln, das sind fünf lange Sätze. Wenn ich also hier bei einem Spiel in der Kurzinfo einfach oder leicht schreibe, können die Regeln dennoch für Leute, die nicht viel spielen, erst einmal verwirrend sein. Dann heißt es die Pobacken zusammenkneifen, das Regelheft in Ruhe ein zweites Mal durchlesen und bei ein bis zwei Probespielen die Regel stets griffbereit halten.

Die Komplexität der Regeln hat nicht unbedingt Einfluss auf die benötigte Spielkunst.

Mein Paradebeispiel hierfür ist ein Spiel, das fast jeder kennt. Schach hat relativ einfache Regeln, es reicht beinahe, zu wissen, wie die sechs verschiedenen Figuren ziehen. Aber der Spielkunstfaktor ist unendlich.

Mit Spielkunst meine ich einfach die im jeweiligen Spiel oder aber auch in anderen Spielen erlangte Erfahrung in Bezug auf bestimmte Mechanismen und Vorgehensweisen. Köpfchen gehört natürlich auch dazu.

Aber erfahrene Spieler, die viele verschiedene Spiele kennen, werden auch in vielen neuen Spielen immer wieder Vertrautes entdecken und das zu ihrem Vorteil ausnutzen. So wie ich.

Interaktion heißt für mich jegliche Art und Weise, durch die eigene Spielweise das Spiel der Mitspieler zu beeinflussen. Das kann friedlicher Tauschhandel oder eine Kriegserklärung sein. Gerade Spiele mit hohem Schlägereifaktor haben es in diplomatischer Hinsicht in sich. Da werden Allianzen geschmiedet, Waffenstillstände vereinbart und Bündnisse verraten.

Genauso viel Spaß macht selbstverständlich auch das Handeln mit Waren aller Art. Oder die Möglichkeit, in bestimmten Situationen auf andere Weise einen Mitspieler auszubremsen, zu blockieren oder ihm etwas wegzunehmen.

So, und jetzt viel Spaß beim Lesen meiner mit viel Mühe und Liebe geschriebenen Empfehlungen.

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